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Vermarktung landeseigener Liegenschaften am Beispiel Göttingen

Die Universität Göttingen bezog im Jahr 2005 neu erstellte Institutsgebäude. Die dadurch freigewordenen drei landeseigenen Liegenschaften konnten noch im gleichen Jahr vom Landesliegenschaftsfonds (LFN) erfolgreich vermarktet werden, wobei der bauliche Charakter der einzelnen Gebäude erhalten werden konnte.

Geophysikalisches Institut mit historischer Erdbebenwarte und Gaußhaus

Bei den freigezogenen Institutsgebäuden handelt es sich um eine denkmalgeschützte Altbauvilla, einen Neubau und das Hausmeisterwohnhaus. Das zugehörige Grundstück umfasst eine Größe von 17.000 m² und befindet sich bauplanungsrechtlich im Außenbereich Göttingens. Im Hinblick auf die Nachnutzung durch Dritte verständigten sich der LFN und die Stadt Göttingen auf die bauleitplanerische Zulässigkeit eines breiten Spektrums von genehmigungsfähigen Nutzungsalternativen.

Bei der Vermarktung besonders zu berücksichtigen waren die auf dem Grundstück vorhandene sog. "Wiechert`sche Erdbebenwarte" und das sog. "Gaußhaus". Die aus drei bis zu 17 Tonnen schweren mechanischen Seismographen bestehende Erdbebenwarte zeichnet bereits seit über 100 Jahren lückenlos Erdbewegungen rund um den Globus auf speziellem verrußtem Kohlepapier auf. So wurde das große San Francisco Beben Anfang des letzten Jahrhunderts und auch das große Seebeben Weihnachten 2004 dokumentiert. Diese Anlage ist europaweit einmalig und in ihrer wissenschaftshistorischen Bedeutung nicht zu unterschätzen.

So setzte sich auch das Präsidium der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft für einen Weiterbetrieb der Erdbebenwarte ein.

Vermarktung landeseigener Liegenschaften am Beispiel Göttingen
Geophysikalisches Institut
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Geophysikalisches Institut

Die ebenfalls unter Denkmalschutz stehende völlig eisenfreie sog. Gauß-Hütte, auch als "magnetisches Häuschen" bezeichnet, die der berühmte gleichnamige Mathematiker und Physiker 1834 erbauen ließ, diente ihm als Standort für Versuche und Experimente. Die historischen Versuchseinrichtungen sind bis heute erhalten geblieben.

Unter Berücksichtigung auch des erheblichen regionalen öffentlichen Interesses konnte der LFN den Weiterbetrieb der Erdbebenwarte und den Bestand des Gaußhauses dadurch gewährleisten, dass in Abstimmung mit dem Käufer der ehemaligen Institutsgebäude eine Grundstücksteilung vorgenommen wurde. Ein zwischenzeitlich gegründeter Trägerverein, bestehend u. a. aus bedeutenden Göttinger Unternehmen der Mess- und Regeltechnik, erwarb den mit der Erbbebenwarte und dem Gauß-Haus bebauten Grundstücksteil vom Land und betreibt die Anlage öffentlichkeitswirksam (Tag der offenen Tür etc.) weiter.

Der Grundstücksteil mit den aufstehenden Institutsgebäuden wurde an eine Jugendhilfeeinrichtung in der Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen verkauft. Dort sollen nach umfangreichen Umbau- und Renovierungsmaßnahmen die Zentralverwaltung, verschiedene Mutter – Kind Gruppen, ein hauswirtschaftlicher Ausbildungsbereich sowie verschiedene Tagesgruppen und eine Förderschule untergebracht werden.

Vermarktung landeseigener Liegenschaften am Beispiel Göttingen
Die sog. Gauß-Hütte
Vermarktung landeseigener Liegenschaften am Beispiel Göttingen
Gauß-Hütte
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